Vielleicht eine der schönsten Geschichten: Das Porträt des Ehepaares Maria und Karl Kisters, das in der Kammerzeitschrift "Thema Wirtschaft" der IHK Duisburg - Kleve - Wesel zu Duisburg erschien. Seit 2006 begleiten wir die Stiftung im Rahmen verschiedener Projekte in Sachen PR.
Eine gewisse Maria van den Boom, ein Gelderner Finanzbeamter - der Vater der frisch gebackenen Ehefrau - und die Verbundenheit eines Schlossers zum Niederrhein waren genau genommen im Jahre 1957 dafür verantwortlich, dass in der Schwanenstadt Kleve so etwas wie ein unternehmerisches Märchen wahr wurde. In den letzten Jahren profitierten von dieser märchenhaften Entwicklung Jahr für Jahr bis zu 70 junge Auszubildende - ein wohl einmaliges Beispiel für unternehmerische Initiative im Kammerbezirk.
Maria van den Boom, Textildesignerin mit Zusatzausbildung in Buchführung und Betriebswirtschaftslehre, heiratete 1957 den gelernten Schlosser Karl Kisters. Als diesen aus Frankfurt der Ruf nach bundesweiter Montagetätigkeit ereilte, machte sich sein Schwiegervater dafür stark, dass sich der Jung-Ehemann lieber selbständig machte, als dem Ruf an den Main zu folgen. Mit 10.000 Mark geliehenem Startkapital und den letzten 600 Mark vom Sparbuch, mit denen er die erste Schweißmaschine ersteigerte, begann der Aufstieg des Unternehmens Kisters.
Ehrgeiz, Service und der Hang zur technischen Tüftelei machten es möglich, dass aus der "Kisters-Maschinen- und Apparatebau" zu Glanzzeiten bis Mitte der 90er Jahre ein weltweit operierendes Unternehmen mit über 440 Beschäftigten und rund 45 Millionen Euro Jahresumsatz wurde. Zunächst wurden fahrbare Regale und einfache Maschinen für die Schuhindustrie gefertigt, schließlich produzierte das Unternehmen komplette Verpackungssysteme der Hochleistungsklasse.
Zu den Kunden zählten renommierte Unternehmen wie Coca Cola, Pepsi Cola, Bahlsen, XOX oder Unox. "Wir bauen den Rolls Royce unter den Verpackungsmaschinen", sagte Karl Kisters in einem eher wohl seltenen Anflug eigener Wertschätzung. In den Anfangsjahren entwarf er die Ideen für Maschinen auf den Deckeln seiner flachen Zigarettenschachteln, dann ging er über zu größeren Blättern. Aufträge, Umsätze und Erträge wuchsen in einem kaum für möglich gehaltenen Maße. Kisters machte sich als Problemlöser einen Namen - ganz gleich, ob es um den Motor der Stiftskirchen-Orgel, um einen riesigen Webstuhl oder Verpackungs- oder Abfüllmaschinen aller Art ging.
Einen Namen machte sich Karl Kisters vor allem mit Rationalisierungsmaßnahmen durch den Bau neuer Maschinen: "Der Begriff war damals ganz anders besetzt als heute", erinnert sich der Techniker lächelnd. Die Unternehmen waren in Zeiten der Vollbeschäftigung froh, wenn es gelang, Arbeitskraft an einer Stelle durch eine Maschine einzusparen und an anderer Stelle wieder einzusetzen.
1987 verkaufte das Ehepaar Karl und Maria Kisters fünfzig Prozent der Unternehmensanteile an die Klöckner Mercator Maschinenbau GmbH in Duisburg, eine Tochter der Klöckner-Werke AG. 200x ging auch der Rest der Firma in den Besitz von Klöckner - allein der Name blieb.
Der heute 82jährige Unternehmensgründer nutzte mit seiner Frau die im Laufe der Jahre gegebenen finanziellen Möglichkeiten, um Stück für Stück eigene Vorstellungen sinnvollen sozialen Engagements zu verwirklichen.
Warum Ausbildung? "Ja, das hat wohl mit meiner eigenen Geschichte zu tun", sinniert Karl Kisters im Gespräch mit "Thema Wirtschaft". Auf die Lehrlingsausbildung wurde immer besonderern Wert gelegt, zumal das Unternehmen sozusagen "im Dauerlauf expandierte" und es für die neuen technischen Lösungen kein ausgebildetes Personal auf dem Markt gab: "Da waren wir einfach selber gefordert", so Karl Kisters. Bis 1990, als Maria Kisters als Geschäftsführerin aus dem Unternehmen ausschied, hatte der Betrieb rund 200 junge Menschen ausgebildet. Jedes Jahr stellte das Unternehmen bis zu 20 Schulabgänger ein - oft war der Chef persönlich an der Auswahl beteiligt. "Wenn da einer Schlosser werden wollte und nicht sein Fahrrad reparieren konnte, habe ich den direkt wieder nach Hause geschickt", so der Unternehmensgründer.
Sozusagen im Ruhestand beschloss das Ehepaar, das Engagement vor allem Ausbildungsbereich auf anderer Grundlage zu verstärken - mit bemerkenswerten Resultaten: Im Mai diesen Jahres erhielten die Eheleute vor allem für ihr Engagement im sozialen Bereich das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Nachdem sich Karl Kisters bereits drei Jahre lang als Vorsitzender des Fördervereins für das Technoologiezentrum Kleve e.V. engagiert hatte, gründete er vor zwölf Jahren mit Ehefrau Maria die selbständige Stiftung "AV-Studio", die im Rahmen einer von der Landesanstalt für Rundfunk NRW anerkannten Bürgerfunkproduktionsstätte Beratungs- und Qualifikationsmaßnahmen für Jugendliche anbietet. Die Jugendlichen erhalten als berufliche Orientierungshilfe einen Einblick in die Welt des lokalen Rundfunks.
1999 gründeten die Eheleute Kisters unter Beigabe eines Stiftungskapitals von 10 Millionen Euro die "Kisters-Stiftung gemeinnützige GmbH für Aus- und Weiterbildung", die seitdem in Kooperation mit verschiedenen Unternehmen für eine überbetriebliche Ausbildung von Jugendlichen sorgt. Inzwischen wurden 160 Auszubildende von 31 Verbundpartnern in 16 Berufen überbetrieblich geschult. Weitere 20 Personen konnten sich durch gezielte Weiterbildunsmaßnahmen zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten qualifizieren. "Durch die Initiative der Kisters-Stiftung wurden bisher 64 zusätzliche Ausbiludngsplätze geschaffen", informiert Ausbildungsleiter Peter Röder. Die wohl einmalige Initiative wurde im Jahr 2000 in Berlin mit dem silbernen "Ausbildungs-Oskar" der Wirtschaftsjunioren ausgezeichnet.
Doch damit nicht genug: Seit mehr als 20 Jahren unterstützt das Ehepaar auch die Klever Klosterpforte, die sich vor allem um die Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen kümmert. Außerdem ermöglichten die Eheleute Kisters durch ihre finanzielle Unterstützung den Bau des Kindergartens St. Bonifatius der Katholischen Pfarrgemeinde St. Maria Empfängnis und des Kolpinghauses in Kleve.
2003 krönte das Ehepaar in aller Stille seine Aktivitäten und gründete wiederum unter Beigabe eines nicht offiziell genannten Betrages in Millionenhöhe die Kisters-Stiftung. Der Neubau in direkter Nachbarschaft zum Kisters-Firmengelände beherbergt heute den gesamten Ausbildungsbereich.